Gipfel zur Zukunft der Binnenschifffahrt im Neusser Hafen
Aufgrund des Niedrigwassers im Rhein erhält die Binnenschifffahrt gerade größere Aufmerksamkeit. Wie die Rolle der Binnenschifffahrt angesichts dieser und anderer Entwicklungen in Zukunft aussehen kann, haben Fachverbände und Unternehmensvertreter aus dem Bereich der Binnenhäfen und Logistik in der vergangenen Woche in der Neusser Pegelbar beraten.
Eingeladen hatten unter anderem der Bundesverband Öffentlicher Binnenhäfen (BÖB) und der Bundesverband Spedition und Logistik (DSLV) gemeinsam mit den Neuss-Düsseldorfer Häfen (NDH).
Carl-Philipp Sassenrath, Bundestagsabgeordneter für den Rhein-Kreis Neuss und im Verkehrsausschuss für das Thema Binnenschifffahrt verantwortlich, zeigte sich dankbar für den Binnenschifffahrtsgipfel in Neuss und für die Arbeit der Verbände. So habe man bei den Verhandlungen über das jüngst im Bundestag verabschiedete Infrastruktur-Zukunftsgesetz im parlamentarischen Verfahren gemeinsam erhebliche Verbesserungen für die Wasserstraße und die Häfen erzielen können.
Das bestätigte auch Thomas Rosenstein, Abteilungsleiter bei der Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt. Die neuen Verfahrensmöglichkeiten und zusätzliche finanzielle Mittel durch das Sondervermögen Infrastruktur müssten nun schnell in die Tat umgesetzt werden. Konkret könnten nun bei der Rheinvertiefung zeitnah die nächsten Schritte folgen. Dies fand Unterstützung bei anwesenden Unternehmern und Logistikern.
Carl-Philipp Sassenrath betonte zu Beginn der Diskussion die besonderen Umstände vor Ort: Die Landesgartenschau direkt neben dem Neusser Hafen symbolisiere passend „das Nebeneinander von Schönheit und Stärke – auf beides sind wir angewiesen.“ Im Mittelpunkt der Diskussion standen die Fragen nach der volkswirtschaftlichen Bedeutung der Wasserstraßen, nach den Geschäftsfeldern der Zukunft für Binnenschifffahrt und die Binnenhäfen und der Verbesserung der infrastrukturellen Rahmenbedingungen.
Marcel Lohbeck, Geschäftsführer des BÖB, verwies auf die jüngst veröffentlichte Studie zu den Auswirkungen eines potentiellen Ausfalls systemkritischer Wasserstraßen: „Alleine in den fünf Regionen mit dem höchsten Bestand an Schleusen, dem westdeutschen Kanalgebiet, dem Elbe-Seitenkanal, Saar und Mosel, dem Main-Donau-Korridor und dem Neckar hängen 360.000 Jobs in der Industrie und im verarbeitenden Gewerbe von funktionsfähigen Wasserwegen ab. Rechnet man den Rhein mit hinzu, der die Hauptschlagader Deutschlands ist, steigt diese Abhängigkeit um ein Vielfaches. Die Wasserstraße ist das Rückgrat der deutschen Industrie und des verarbeitenden Mittelstands.“
Sascha Odermatt, Gastgeber vor Ort und Geschäftsführer der NDH, ergänzte: „Binnenhäfen spielen im System Wasserstraße eine zentrale Rolle. Sie sind multimodale Logistikdrehscheiben zentraler Güterverkehrsströme und leistungsstarke Wirtschaftsmotoren. Dabei erfüllen wir keinen Selbstzweck, sondern sichern täglich Arbeit, Wertschöpfung und leisten einen wesentlichen Beitrag zur Daseinsvorsorge. Die bedarfsgerechte Förderung der deutschen Binnenhäfen liegt somit im Interesse der Politik. Die jüngsten Entwicklungen auf bundespolitischer Ebene setzen das richtige Signal, dieser Kurs sollte konsequent beibehalten werden. Ein Austausch wie er dieses Mal in der Pegelbar stattfand ist das richtige Format, um politische Entscheidungsprozesse auf Augenhöhe gemeinsam mitzugestalten.“
Die Frage nach den Geschäftsfeldern der Zukunft beantwortete Lohbeck so: „Energiewende, Kreislaufwirtschaft und krisenfeste Versorgungsketten lassen sich nur im Zusammenspiel aller Verkehrsträger gestalten.“ Der Wasserstraße komme für diese Aufgaben eine erhebliche Bedeutung zu. Beispielhaft wurde auch auf das Potential der Häfen für den Bereich Wasserstoff verwiesen.
Sassenrath betonte, der Ersatz und Ausbau von Infrastruktur brauche neben den finanziellen Mitteln und der Beschleunigung von Prozessen vor allem auch Befürworter. Dies sei keine Selbstverständlichkeit, das zeigten Debatten im Bundestag sowie vor Ort. Er verwies auf die Notwendigkeit des Zusammenwirkens von Wirtschaft, Politik und Verwaltung sowie der verschiedenen Ebenen und dankte den anwesenden Vertretern aus der lokalen Politik und Verwaltung. Unter anderem nahm die Erste Beigeordnete und Wirtschaftsförderin der Stadt Neuss, Meike Folkerts, an der Sitzung teil.