Dürre setzt Landwirtschaft unter Druck: Sassenrath für sofortige Hilfen
Die Folgen von Hitze und Trockenheit, mögliche Soforthilfen für betroffene Betriebe, der Abbau landwirtschaftlicher Bürokratie sowie verkehrspolitische Fragen standen im Mittelpunkt eines Gesprächs des Bundestagsabgeordneten Carl-Philipp Sassenrath mit Johannes Küppers, Vorsitzender der Kreisbauernschaft Neuss-Mönchengladbach, und Karl Nacke vom Rheinischen Landwirtschafts-Verband beim Forum Landwirtschaft auf der Landesgartenschau in Neuss.
Die Kreisbauernschaft Neuss-Mönchengladbach vertritt rund 900 Mitglieder. Diese kämpfen in diesem Jahr mit schwierigen Bedingungen. Insbesondere Hitze und anhaltende Trockenheit führen bei verschiedenen Kulturen zu Ernteeinbußen. Gleichzeitig stehen die Betriebe unter wirtschaftlichem Druck durch hohe Kosten, niedrige Erzeugerpreise und internationalen Wettbewerb.
Sassenrath sprach sich angesichts dieser Situation für pragmatische und gezielte Soforthilfen für besonders betroffene Betriebe aus. „Wenn außergewöhnliche Wetterbedingungen Betriebe unverschuldet in existenzielle Schwierigkeiten bringen, müssen wir reagieren. Solche Hilfen hat es schon in früheren Jahren gegeben. Entscheidend ist auch, dass sie zielgerichtet bei den tatsächlich betroffenen Betrieben ankommen“, sagte Sassenrath. Er zeigt etwa Verständnis für die Forderungen nach vorgezogenen pauschalen Abschlägen auf die EU-Direktzahlungen. Damit könne die Liquidität der Betriebe kurzfristig verbessert werden, ohne dass eine finanzielle Mehrbelastung für den Bundeshaushalt entsteht, so Küppers und Nacke.
Küppers und Nacke warben zudem für eine steuerliche Risikoausgleichsrücklage. Sie würde es landwirtschaftlichen Betrieben ermöglichen, in wirtschaftlich guten Jahren steuerbegünstigt Vorsorge für schlechte Jahre zu treffen. Das Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) setzt sich für eine solche Regelung ein und befindet sich dazu im Austausch mit dem federführenden Bundesfinanzministerium.
Ein weiterer Schwerpunkt des Gesprächs war der Bürokratieabbau. Hier wurden auf Bundesebene bereits erste Entlastungen umgesetzt. Die Stoffstrombilanzpflicht wurde abgeschafft, die Agrardieselvergütung gilt seit Anfang 2026 wieder und entlastet die Landwirtschaft bundesweit um rund 430 Millionen Euro pro Jahr. Zudem wurde die mögliche Dauer kurzfristiger Beschäftigung auf 90 Tage ausgeweitet. Mitte Juli hat das Bundeskabinett zudem ein Bürokratierückbaugesetz des BMLEH verabschiedet, eine Rückbau-Verordnung folgt im Herbst.
Die Gesprächsteilnehmer waren sich einig, dass es nicht ausreiche, belastende und ineffiziente europäische Vorgaben in Deutschland lediglich weniger bürokratisch oder verspätet umzusetzen. „Wenn Regelungen aus Brüssel in der Praxis unnötigen Aufwand verursachen, reichen bloße Verschiebungen des Problems in die Zukunft nicht, dann müssen wir uns dafür einsetzen, die europäischen Regeln selbst zu ändern“, sagte Sassenrath.
Zur Sprache kamen außerdem verkehrspolitische Regelungen, die landwirtschaftliche Betriebe unmittelbar betreffen. Dabei ging es insbesondere darum, Vorschriften stärker an den tatsächlichen Anforderungen moderner landwirtschaftlicher Fahrzeuge und Betriebe auszurichten.
Neben den aktuellen Belastungen steht die Landwirtschaft in der Region vor einem längerfristigen Strukturwandel. In den kommenden Jahren wird Schätzungen zufolge jeder zweite Betrieb vor der Frage der Hofnachfolge stehen. Gleichzeitig geht die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe seit Jahren zurück, während die durchschnittlich bewirtschaftete Fläche je Betrieb steigt. Sassenrath und die Vertreter der Landwirtschaft waren sich einig, dass politische Rahmenbedingungen so gestaltet werden müssen, dass auch künftig familiengeführte und wirtschaftlich tragfähige Höfe in der Region eine Perspektive haben.
Sassenrath hob zudem die Bedeutung heimischer Landwirtschaft für die Ernährungssicherheit hervor. „Wir müssen stärker darüber sprechen, welchen Wert Lebensmittel haben und was notwendig ist, um sie hier vor Ort zu erzeugen. Ernährungssicherheit ist keine Selbstverständlichkeit. Verbraucher können selbst einen Beitrag leisten, indem sie regionale Produkte kaufen und damit heimische Betriebe unterstützen.“ Eine Übersicht über Hofläden und andere Direktvermarkter bietet das Portal Landservice unter www.landservice.de.
Besonders dankte Sassenrath den Landwirten, die zuletzt bei der Bekämpfung von Bränden in Nordrhein-Westfalen geholfen haben. Landwirtschaftliche Betriebe unterstützten die Feuerwehren unter anderem mit Fahrzeugen, Wasser und landwirtschaftlicher Technik. „Das zeigt ganz praktisch, welche Bedeutung die Landwirtschaft über die Lebensmittelproduktion hinaus für unsere ländlichen Räume hat. Wo schnelle Hilfe gebraucht wird, sind unsere Landwirte häufig mit schwerem Gerät, Wasser und Ortskenntnis zur Stelle“, so Sassenrath.