Berlin Update #8: Mit Zuversicht, Stärke und Ambition in das neue Jahr
Zu Jahresbeginn nehmen sich viele vor: weniger meckern – mehr positiv denken, wie es besser gehen kann. Auch in der Hauptstadt habe ich diese Haltung in den ersten Wochen 2026 häufig erlebt.
Doch der Jahresbeginn testet diese Zuversicht. Die wirtschaftliche Lage bleibt schwierig. Die russischen Angriffe auf die Zivilbevölkerung in der Ukraine haben eine neue Brutalität erreicht. Die Mullah-Machthaber im Iran töten ihre eigenen Menschen. Und die Schlagzeilen dominiert Donald Trump, etwa mit seinen Machtansprüchen auf Grönland. So waren vor und hinter den Kulissen viele Debatten in der ersten Sitzungswoche 2026 von den außenpolitischen Geschehnissen geprägt.
Häufig Thema: Was machen die USA, und was bedeutet das für unser Verhältnis. Was die Trump-Administration vorhat, lässt sich nachlesen, gebündelt in ihrer Nationalen Sicherheitsstrategie. Viele Abgeordnete haben das Dokument zwischen den Jahren gelesen. Bereits Anfang 2025 hatte JD Vance dieses Denken auf der Münchner Sicherheitskonferenz skizziert: nationale Interessen zuerst, Deals statt Bündnisse, Macht durch Stärke. Vor diesem Hintergrund lassen sich viele Entscheidungen einordnen. Nicht, weil sie richtig wären, sondern weil sie – zumindest teilweise – einem Muster folgen.
Was können wir uns von der US-Strategie „abschauen“? Erstens: Eine Strategie braucht klare Schwerpunkte. Wenn alles wichtig ist, ist nichts wichtig. Solange unsere Fähigkeit, die eigene Freiheit zu verteidigen, nicht gesichert ist, muss manches andere, was wünschenswert ist, hintenanstehen. Zweitens: Wir müssen uns ambitionierte Ziele setzen, unsere Stärken stärken. Wir wollen die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt bleiben, Logistikdrehscheibe Europas, starker Forschungsstandort. Dazu wird es mit kleineren wirtschaftspolitischen Reparaturen nicht getan sein. Drittens: Diese – Freiheit und Wirtschaftsstärke – und andere nationale Interessen sind maßgeblich. Deutschland ist keine Weltpolizei. Sondern den eigenen Bürgerinnen und Bürgern verpflichtet.
Und was folgt daraus für unser Verhältnis zu den USA? Klare Kante. Mit salbungsvollen Worten erreicht man bei Trump nichts. Stärke begegnet man am besten mit eigener Stärke. Zeit also, die Zeitenwende endlich umzusetzen. Nicht nur bei der Verteidigung, indem wir unsere eigenen Verteidigungskapazitäten aufbauen; deswegen haben wir letzte Woche im Bundestag ein neues Beschleunigungsgesetz für die Bundeswehr beschlossen. Sondern auch im digitalen Raum, indem wir uns von den massiven Abhängigkeiten beginnen zu lösen. Und schließlich für uns als Handelsnation wichtig, indem wir neue Partner finden – etwa mit dem Mercosur-Handelsabkommen – und den USA in der Zollpolitik entschlossen entgegentreten.
Carl-Philipp Sassenrath (35, CDU) ist seit März 2025 Mitglied des Deutschen Bundestages. Er wurde in Neuss, Dormagen, Grevenbroich und Rommerskirchen direkt gewählt. Er gehört unter anderem den Ausschüssen für Recht und Verkehr an. Im „Berlin Update“ bietet er regelmäßig einen Blick hinter die Kulissen im Bundestag.
Redaktionsschluss 19.01.2026, zuerst erschienen bei Stadt-Kurier und Erft-Kurier, Ausgaben vom 24.01.2026